Wie wir bereits bei anderer Gelegenheit erwähnt haben, ist Plastik ein großer Schadstoff für unsere Meere und Ozeane. Millionen Tonnen Plastik lagern sich in unseren Ozeanen ab und haben negative Auswirkungen auf die dort lebende Flora und Fauna.
Es befinden sich schätzungsweise 12 Millionen Tonnen Plastikmüll in den Ozeanen. Diese Verschmutzung ist zwar nicht so sichtbar wie andere Verschmutzungsarten, stellt aber eindeutig ein globales Problem dar. Experten schätzen, dass bis zu fünf Prozent aller weltweit produzierten Kunststoffe im Meer landen. Doch was geschieht mit diesen Kunststoffen? Und welche Auswirkungen haben sie auf das marine Ökosystem?
Verschmutzung von Meeren und Ozeanen
Der Großteil des Plastikmülls gelangt über Flüsse ins Meer. Dort wird er von Meeresströmungen verteilt und beeinträchtigt so große Gebiete. Der Müll findet sich nicht nur an den Küsten, sondern auch an der Meeresoberfläche und am Meeresboden. Darüber hinaus stammen 80 % der Meeresverschmutzung vom Land, während nur 20 % durch maritime Aktivitäten wie den Schiffsverkehr verursacht werden.
Plastikmüll gelangt durch unsachgemäße Abfallentsorgung, Wind und Regen, die ihn in Flüsse spülen, sowie durch versehentliches Verschütten ins Meer. Dort ist sein Schicksal ungewiss: Er kann treiben, sinken oder von Meerestieren aufgenommen werden. Dies führt uns zu einem der alarmierendsten Aspekte dieser Umweltkrise: Mikroplastik.
Das Problem Mikroplastik
Eines der größten Probleme der heutigen Plastikverschmutzung sind Mikroplastikpartikel. Dabei handelt es sich um winzige Plastikpartikel, die beim Zerfall größerer Gegenstände entstehen oder direkt durch Kosmetika oder Reifenabrieb in die Umwelt gelangen. Schätzungen zufolge treiben derzeit 5 Billionen Mikroplastikpartikel mit einem Gesamtgewicht von 270.000 Tonnen in unseren Ozeanen. Studien zufolge weisen 94 % der an deutschen Küsten verendeten Seevögel Mikroplastik im Magen auf.
Mikroplastik lässt sich nur schwer aus der Umwelt entfernen und verteilt sich leicht. Aufgrund ihrer geringen Größe fressen viele Tiere sie in dem Glauben, es handele sich um Nahrung, was zu Verdauungsproblemen, Unterernährung und manchmal zum Tod führt. Darüber hinaus kann der Mensch durch den Eintritt in die Nahrungskette Mikroplastik auch über Meeresfrüchte aufnehmen.
Plastiktüten und das Problem der Schwellenländer
In vielen entwickelten Ländern wie Deutschland werden Plastiktüten zunehmend eingeschränkt oder ganz abgeschafft. In einigen Schwellenländern nimmt der Kunststoffverbrauch jedoch aufgrund des industriellen Wachstums weiter zu. Dadurch erhöht sich die Plastikverschmutzung erheblich. Jüngsten Daten zufolge schwimmen bereits fast 150 Millionen Tonnen Plastik in den Ozeanen.
In diesen Regionen sind die Abfallentsorgungs- und -managementsysteme unzureichend oder gar nicht vorhanden. Der Mangel an adäquater Infrastruktur führt dazu, dass Plastikmüll in Flüsse und schließlich ins Meer gelangt und sich so zu einem globalen Problem entwickelt. Weltweit werden beispielsweise nur 9 % des Plastiks recycelt , was die Plastikmüllkrise verschärft. Die von Entwicklungsländern verursachte Verschmutzung schädigt marine Ökosysteme massiv und stellt eine globale Herausforderung dar.
Die Kosten für die Reinigung eines nur einen Kilometer langen Küstenabschnitts können bis zu 65.000 Euro pro Jahr betragen, was eine enorme finanzielle Belastung für die Kommunen darstellt.
Auswirkungen auf die Meeresfauna
Die Auswirkungen von Plastik auf das Meeresleben sind verheerend. Mehr als 600 Meeresarten sind von Plastikmüll betroffen, entweder durch Verschlucken oder indem sie sich darin verfangen. Wale, Delfine und Meeresschildkröten verwechseln Plastikmüll mit Nahrung, was schwerwiegende Folgen hat. 2018 wurde vor Murcia ein Wal gefunden, dessen Magen 30 Kilogramm Plastik enthielt. Er starb an einer Bauchfellentzündung.
Mikroplastik schadet nicht nur größeren Arten, sondern beeinträchtigt auch kleine Fische und andere Meeresbewohner. Diese Partikel reichern sich in ihren Organismen an und gelangen, wenn sie von größeren Raubtieren verzehrt werden, in die Nahrungskette. Letztendlich kann auch der Mensch dieses Mikroplastik aufnehmen, wenn er kontaminierte Meeresfrüchte isst.
Plastik und sein Zusammenhang mit dem Klimawandel

Plastik hat nicht nur negative Auswirkungen auf marine Ökosysteme, sondern trägt auch zum Klimawandel bei. Über 90 % des heute verwendeten Plastiks werden aus fossilen Brennstoffen wie Erdöl und Erdgas hergestellt. Die Plastikproduktion erzeugt große Mengen an Kohlendioxid (CO₂), einem der wichtigsten Treibhausgase, das zur globalen Erwärmung beiträgt. Im Jahr 2015 beliefen sich die weltweiten Emissionen im Zusammenhang mit der Plastikproduktion auf 1,7 Gigatonnen CO₂. Wenn die Plastikproduktion im aktuellen Tempo weiterläuft, werden sich diese Emissionen bis 2050 voraussichtlich verdreifachen und auf rund 6,5 Gigatonnen ansteigen.
Auch in der Umwelt tragen Kunststoffe weiterhin zum Klimawandel bei. Studien haben gezeigt, dass Kunststoffe bei Sonneneinstrahlung Methan und Ethylen freisetzen – zwei starke Treibhausgase, die zur globalen Erwärmung beitragen.
Mögliche Lösungen und alternative Richtlinien
Angesichts dieser Krise haben viele Länder und Organisationen damit begonnen, Maßnahmen zur Reduzierung des Kunststoffverbrauchs und zur Förderung einer Kreislaufwirtschaft umzusetzen. Diese Richtlinien konzentrieren sich auf die Reduzierung von Einwegkunststoffen, die Förderung des Recyclings und die Entwicklung alternativer Materialien, die umweltfreundlicher sind.
Die Europäische Union hat bestimmte Einwegkunststoffprodukte wie Strohhalme, Besteck, Teller und Wattestäbchen verboten. Darüber hinaus werden biologisch abbaubare Kunststoffe auf Basis natürlicher Materialien wie Stärke und Algen entwickelt. Obwohl diese Alternativen noch keine perfekte Lösung darstellen, stellen sie einen ersten Schritt in eine Zukunft mit weniger Abhängigkeit von Kunststoff dar.
Auf globaler Ebene werden andere Ansätze in Betracht gezogen, beispielsweise eine erweiterte Herstellerverantwortung, bei der Unternehmen, die Kunststoffprodukte herstellen, die Kosten für die Bewirtschaftung ihrer Abfälle tragen müssen. Dies könnte alles umfassen, vom Recycling bis zur Säuberung kontaminierter Strände.
Auch wir als Verbraucher können Teil der Lösung sein, indem wir unseren Einsatz von Kunststoffen reduzieren, angemessen recyceln und uns für nachhaltige Alternativen entscheiden.
Kunststoff hat sich von einem revolutionären Material zu einer Bedrohung für die Umwelt entwickelt. Obwohl wir die verheerenden Folgen bereits sehen, bleibt uns noch Zeit, diesen Trend zu ändern und unsere Ozeane zu schützen.
